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Die barocke Party,
Ausstellungsarchitektur in der neuen Kunshalle Wien
Die Eröffnungsausstellung Die Barocke Party ein Moment des Welttheater in der zeitgenössischen Kunst 12.06-16.09.2001, Dinos and Jake Chapman, Wim Delvoye, Ulrike Grossarth, Yvonne Rainer, Sam Taylor-Wood, Paul Thek
Ausstellungs-architektur spielt mit den Grenzen des gegebenen baulichen Rahmens.
Bei der Erstbespielung eines neuen Ausstellungsraumes ist die Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten besonders intensiv. Das Interesse des Publikums gilt nicht allein der neuen Ausstellung, sondern ist auch auf den neuen Raum hinter der Ausstellung gerichtet.
Dabei ist zu beachten, dass die Wahrnehmung der neuen Kunsthalle von jenem Bild überlagert wird, dass durch die ehemalige Halle am Karlsplatz zum Begriff Kunsthalle geprägt wurde. Der Container am Karlsplatz war in paradigmatischer Weise eine Halle für Kunst - ein leerer Behälter der erst durch die jeweilige Ausstellung seine räumliche Ausformung erfuhr.
Die neue Kunsthalle entfernt sich von dieser Idee. Der Ausstellungsraum präsentiert sich als Räumliche Komposition.
Die Elemente des Raumes, besonders die Decke in Form eines flachen, halbelliptischen Tonnengewölbes sowie die beiden im Raum stehende Vertikale Treppen- und Lifttürme gliedern den Raum, und schaffen hierarchisch unterschiedene Zonen. Diese Haltung wird durch kontrastierende Oberflächenmaterialien betont.
Deutlich abgesetzt von der Idee eines White Cube konfrontiert uns der neue Raum mit sich selbst. Dieser Konfrontation ist nicht zu entrinnen.
Um das Thema der Ausstellung erfassen zu können, benötigt die Gestaltung der Ausstellung jedoch einen Freiraum. Diesen Freiraum fanden wir jenseits der Architektur. Das Barock war neben eine Epoche visionärer Raumschöpfungen der Architektur auch eine Blütezeit der Garten- und Landschaftskunst. Darüber hinaus war es auch eine Epoche, in der temporäre Aufbauten und Inszenierungen ein fixer Bestandteil der Kultur waren. Sowohl in der Kunst des Gartenbaues wie auch in den in der Epoche sehr üblichen temporären Aufbauten und Inszenierungen war ein starker Bezug zum Ephemeren vorhanden.
Das Konzept der Gestaltung zu eine barocke Party basiert also auf dem Begriff des ephemeren und der Idee des Gartens.
Stern und Ellypse:
Zwei Geometrische Figuren bilden das Grundgerüst der Ausstellung.
Das Rechteck des Raumes wird über seine Diagonalen kreuzförmig durchmessen.
Der Kreuzungspunkt der beiden Linien markiert die Mitte - das Zentrum.
Die radialen Schenkel des Kreuzes gliedern den Raum sternförmig.
Um die freie Mitte entstehen 6 definierte Territorien. Diese werden jeweils einem Werk / Künstler zugeordnet. Jeder Künstler wird so in räumlicher Integrität präsentiert.
Eine Ellipse bindet den solcherart explodierten Raum entlang der Peripherie zusammen.
Sowohl die visuellen Bezüge wie auch die offene Wege durch die Ausstellung folgend diesen beiden Figuren in radialer oder tangentialer Richtung.
Dieses Konzept erlaubt die Wahrnehmung aller 6 Positionen vom einem zentralen Punkt.
Hier wird der Besucher nicht geführt - er darf sich seinen Parcours selbst bestimmen.
Die Leichtigkeit des Gartens findet sich in der Freiheit der Möglichkeiten des Einzelnen seine Bewegung zu bestimmen.
Die Trennung zwischen den Territorien ist nicht hart, etwa durch Wände.
Die räumliche Definition erfolgt hier über 4 Hecken .
Diese abgehängten Körper aus einer mit Glasfasermaterial überspannten Leichtkonstruktion sind transluzent, sie erhalten eine Perzeption des Raumes hinter der Wand aufrecht.
In der gewählten Anordnung wird die Aneinanderreihung definierter Orte zugunsten der Gleichzeitigkeit, der Überlagerungen und der räumlichen Transparenz aufgehoben.
Alle Arbeiten sind über die freie Mitte zueinander in Beziehung gesetzt..
Durchblicke, Transparenzen und sorgsam gewählte Nachbarschaften entlang der Peripherie erlauben die differenzierte Aufnahme inhaltlicher Bezüge innerhalb der Ausstellung.
An den Stirnseiten bilden eingehängte Kuben begrenzte Räume für definierte Werkgruppen und eine Videoprojektion. Diese leichten Volumen erzeugen eine Differenzierung des Raumes in seiner Tiefe, und vermittelt den Übergang von der offenen Halle zu den räumlich verdichteten Bereichen um die beiden Treppentürme.
Alle zum Zwecke der Ausstellung eingefügten Elemente werden von der gewölbten Decke abgehängt. Wände und Körper schweben knapp über dem Boden, ohne diesen zu berühren. Der inszenatorische und temporäre Charakter wird betont.
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