Berger+Parkkinen
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Urnenhain in Linz, 1999


"EIN MENSCH HINTERLÄSST IM LAUF SEINES LEBENS EINE FEINE, UNAUSLÖSCHBARE SPUR IM RAUM"
Diese von den Surrealisten geprägte Spuren des Lebens zeichnen sich wie Erinnerungen in den Boden. Vorstellung wird im Zusammenhang mit der Friedhofsanlage zur Metapher.

Der Ort
Dem malerischen, ein wenig märchenhaften (reich an Geschichten), durch einen Bachlauf und eine reichen Flora geprägten alten Urnenhain steht ein durch die Logik landwirtschaftlicher Produktion geformtes ebenes Wiesenstück gegenüber. Diese Öde wird mit einer Reihe strategischer Eingriffe zum Garten der Erinnerungen verwandelt.

Räumliche Definition
Eine L-förmige Erhöhung entlang dem südlichen und östlichen Rand des Grundstückes erzeugt im Zusammenspiel mit der bestehenden Waldkante im Norden und im Osten einen geschlossenen Landschaftsraum - mit freien Blickbezügen zu den umliegenden Hügeln.

Stille
Das Hochziehen der Uferböschung des Bachlaufes dient der Abwehr des Strassenlärmes.

Räumliche Differenzierung
Blicke ... fangen - leiten - öffnen
Der Buchenhain im Zentrum macht den Raum endlos.

Masse ... Struktur ... Licht
Nur das Dach der großen Halle ragt als sichtbares Lichtzeichen aus der Landschaft hervor. Der Organismus des Krematoriums verschwindet in der Landschaft.

Das Wegesystem
Der vorliegende Entwurf übernimmt die bestehenden Wege an den Grenzen, und führt sie in das neue Wegesystem über.
1. Hauptachse: Die Hauptachse verbindet auf kürzestem Weg den bestehenden Haupteingang mit dem neuen Gebäudekomplex, insbesondere der Verabschiedungshalle. Ein geschwungener Holzsteg bindet den Weg eben an das Haupttor an.
2. Raster von Erschließungswegen: Ein geometrisches Raster gliedert den Urnenhain in erfassbare Rechtecke, und schafft das Grundgerüst der weiteren Erschließung.
3. Grosse Diagonale: Dieser Weg verknüpft die alte Feuerhalle mit der Verabschiedungshalle.
4. Die Spuren: Spuren führen durch den Buchenhain und die Aufbahrungsräume, als Erinnerung der Spuren der Lebenden.
5. Kleine Diagonale: Ein nicht durchgeführter Weg verbindet als Sichtachse die alte Einfahrt mit dem neuen Urnenhain.

Die Verabschiedungshalle
Die Verabschiedungshalle ist nicht ein klassischer Innenraum, sondern definiert einen Teil der Landschaft als Ort des Rituals der Verabschiedung.
Der Ort wird durch die Krümmung der langen Urnenwand definiert.
Das leichte Dach schützt vor Wetter und Sonne, ohne den Eindruck, sich beinahe im Freien zu befinden, zu stören.
Ein Durchgang im Aufragenden Ende der gekrümmten Wand markiert den Zugang für Trauerzüge. Das hindurchtreten durch die raumbildende Wand bezeichnet den Beginn der Zeremonie.
Während der Sarg in eine Art Koncha geführt wird, nehmen die Trauergäste im hellen Raum Platz - die Trennung stellt sich nun räumlich dar.
Die gläserne, teilweise zu öffnende Rückwand der Halle erlaubt einer fast grenzenlosen Zahl von Trauergästen, der Verabschiedung beizuwohnen.
Die Position des Sarges in der Koncha ermöglicht es, als Schlusspunkt der Verabschiedung ein schweres Schiebetor vor dem Sarg zu verschliessen.

Die Aufbahrungshallen
Halb verborgen unter dem hochgezogenen Gelände liegen die 8 Aufbahrungshallen.
Die massive Bauweise unterstreicht die Ruhe der Räume.
Die einzelnen Räume entwickeln sich mäanderartig um kleine individuelle Atrien.
Die indirekte Lichtführung entkoppelt von der Tageszeit.
Die Introvertiertheit des einzelnen Raumes schafft einen Rahmen der Ruhe und Würde - angemessen dem singulären Ereignis des Abschiedes von einem geliebten Toten. Der vertiefte Zugang betont den privaten Anspruch des Raumes individueller Besinnung.

Der Blick HINAUS folgt den SPUREN und verliert sich im BUCHENHAIN.

Die Vorhalle
Eine durchgehende Halle erschliesst alle Aufbahrungsräume.
Die Vorhalle kann in der Längsrichtung als direkte gedeckte Verbindung zur Verabschiedungshalle genutzt werden.
Die quergelegten Spuren erlauben es aber ebenso, den Raum als Abfolge von jeweils den Aufbahrungsräumen
zugeordneten Vorbereichen zu verstehen.
Die Vorhalle liegt etwas zurückgesetzt zum Hauptweg, um durch die Bewegung um die Verabschiedungshalle nicht
gestört zu sein.

Der innere Betrieb
Die Erschließung der Verwaltung erfolgt vom öffentlichen Bereich zwischen Verabschiedungs- und Aufbahrungshallen.
Der Transport von Särgen und Urnen erfolgt vom Parkplatz an der Ostseite.
Die Räume der internen Funktionen sind allgemein ebenerdig in einem Massivbau mit begrüntem Dach untergebracht.
Ein rein interner Gang dient dem Transport von Särgen über sämtliche Stationen.
Die Schlote schreiben sich in die Topographie der Ecke ein.


Technische Daten

Bauherr

Stadtbetriebe Linz GmbH
Baumanagement

Projekt Team
Alfred Berger, Tiina Parkkinen, Peter Thalbauer, Ivan Zdenkovic

Modell
Modellbau Brühl

Konsulenten
Statik: Dipl.Ing. Manfred Gmeiner, Wien
Landschaftsplanung: Dipl.Ing. Cordula Loidl-Reisch, Wien



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